Koreareport

 

Dr. Sylvia B r ä s e l / Universität Erfurt

DEUTSCH – KOREANISCHE KULTURBEZIEHUNGEN: Geschichte- Gegenwart- Zukunft

Vortrag gehalten auf dem Kooperationsseminar der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft und der Hanns-Seidel Stiftung im Kloster Banz am 18.7.2004

Sehr geehrte Damen und Herren, 

„Der heutige Tag ist ein Resultat des gestrigen, wir müssen ihn erforschen um zu wissen, was der morgige will“ 

Im Sinne dieses Wortes von H. Heine wurden über ein Jahr lang im Magazin der Deutschen Botschaft Seoul verdienstvolle Persönlichkeiten vorgestellt, die maßgeblich zur Gestaltung der deutsch-koreanischen Beziehungen vor mehr als 100 Jahren auf ihren jeweiligen Fachgebieten beitrugen. 

Auch das im November 2003 aus Anlass des ersten deutsch-koreanischen Handels-, Freundschafts- und Schifffahrtsvertrages vor 120 Jahren  im Goethe-Institut durchgeführte Symposium zur Thematik ist als Teil dieser Würdigung mit Blick auf die zukünftigen Aufgaben zu sehen. Betrachtet man die verschiedensten Aktivitäten in der Frühzeit der deutsch-koreanischen Beziehungen etwas genauer, so wird deutlich, wie vielschichtig und facettenreich sich schon vor mehr als hundert Jahren die Kontakte gestalteten. Neben Diplomaten wirkten Wissenschaftler, Experten, Kaufleute, Missionare, Ethnologen, Musiker, Lehrer, Ärzte und nicht zuletzt Reiseschriftsteller an der Annäherung der beiden Länder und Kulturen mit.

Gerade in unserem Zeitalter der Globalisierung, das nicht selten mit Reflexionen über die eigenen kulturellen Wurzeln und die Möglichkeiten eines gleichrangigen Dialogs mit anderen Kulturen verbunden ist, erscheint es mir wichtig, solche Ereignisse ins Gedächtnis zurückzurufen. Meines Erachtens eröffnet gerade der Blick auf die traditionsreiche Geschichte neue Sichten auf gegenwärtige Prozesse, die durch die vertrauensbildende Pionierarbeit von bemerkenswerten Persönlichkeiten aus Politik, Handel, Wirtschaft, Mission etc. vorbereitet wurden. Aus Anlass des Korea-Jahres 2005 werde ich in diesem Sinne im iudicium-Verlag München eine umfassende Publikation unter dem Titel „Deutsche in Korea“ zu dieser Thematik vorlegen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

eine Würdigung all dieser Pioniere sprengte leider den Rahmen dieses Vortrages. So soll heute im Kloster Banz das Wirken des Missionars und Ethnologen Erzabt Norbert Weber aus Sankt Ottilien stellvertretend angesprochen werden.

1. Deutsch-koreanische Kulturbeziehungen:  Geschichte - Beispiel  Norbert Weber   –  Missionar und verdienstvoller Ethnologe  

Da, nach Primo Levi: Die Bilder tiefer liegen , als die Worte“ möchte ich mit einer kleinen Filmsequenz beginnen, die über 80 Jahre alt ist -

(KURZE VIDEOEINSPIELUNG  „Im Lande der Morgenstille“ von Norbert Weber )

Diese ersten erhaltenen Filmdokumente über das alte Korea stammen aus dem Jahre 1920.

Die Bilder wurden aus dem Blickwinkel eines deutschen Benediktiner-Abtes, eben von dem filmbegeisterten Norbert Weber (1870 – 1956)  gedreht. Die Filmsequenzen von Weber gelten inzwischen als bedeutendes kulturhistorisches Zeugnis, dass mit großem Erfolg 25 Jahre nach dem Tod seines Produzenten und mehr als ein halbes Jahrhundert nach der Entstehung dieses Schmalfilms auch  im koreanischen Fernsehen  gezeigt wurde.

Die Foto- und Filmarbeiten wie das Reisetagebuch des Missionars Norbert Weber sind so einerseits wichtige Dokumente für das koreanischen Selbstverständnis – und andererseits ein

interessanter Beleg für die traditionsreiche Geschichte der deutsch-koreanischen Beziehungen bzw. der Begegnung der Kulturen.

Wie Karl Gützlaff, der nachweislich als erster Deutscher und zugleich erster protestantischer Missionar 1832 koreanischen Boden betrat, widmete sich auch Weber mit enormen Eifer der fremden Kultur. In diesem Sinne haben sich beide Persönlichkeiten nachhaltige Verdienste um die Bekanntmachung des Landes Korea erworben. Talent für Sprachen - gepaart mit einem enormen Ehrgeiz  und Wissensdrang – sind darüber hinaus Kennzeichen beider Gottesmänner. Auch das für ihre Zeit ungewöhnlichen Marketingtalent  verbindet Weber und Gützlaff.

Es ist zudem interessant, dass der als Josef Weber am 20.12.1870 in Langweid  bei

St. Ottilien / Bayern geborene Weber aus kleinsten Verhältnissen stammt – wie auch der  protestantische Missionar Karl Gützlaff.  Gemeinsam mit seinem Bruder Max Weber besucht der Sohn eines Eisenbahn-Arbeiters als Ausweg aus der Armut das Priesterseminar in Dillingen an der Donau. Hier wird Weber 1895 ordiniert und dem Missionshaus St. Ottilien als Kandidat vorgeschlagen. 1897 legte er das Ordensgelübde ab und bereits im Dezember 1902 wurde der strebsame junge Mann zum Abt von St. Ottilien (unter dem Namen Norbert Weber) geweiht.

Hervorzuheben ist sein frühes Interesse an der Missionsarbeit. Weber ist es zu verdanken, dass unter seiner Leitung  bereits 1909 erstmals Benediktinermönche nach Korea entsandt wurden.

Wie erfolgreich und weitreichend  ihre Arbeit noch ist, belegen heutige Projekte und das aktuelle Engagement des Ordens für Verständigung der Religionen bzw. die Annäherung an das abgeschottete Nordkorea. Ich verweise in diesem Zusammenhang auf das unermüdliche Engagement des jetzigen Erzabts von St. Ottilien Jeremias Schröder.

Norbert Weber setzte sich dafür ein, dass innerhalb von 25 Jahren zwei Abteien (Seoul, Tokwon) und einige florierende Missionsstationen in Korea aufgebaut wurden.

Die eng mit der Sprache & Kultur, den Menschen und der Landschaft verbundenen  Brüder und Schwestern des Ordens haben maßgeblich zu einem Austausch zwischen Ost und West auf ihre spezifische Weise beigetragen. Als Krankenschwestern, Ärzte, Landwirte oder Handwerker etc. lebten bzw. arbeiteten sie mit der Bevölkerung zusammen und teilten bis hin zu Flucht und Vertreibung das bittere Schicksal der Koreaner bis zum Ende des Koreakrieges 1953. Davon berichten die 1953 aus nordkoreanischen Lagern endlich heimgeholten Missionare in ihrer bewegenden Dokumentation „Schicksal in Korea“ – die 1974 zur Erinnerung an die Vertreibung der Benediktiner von St. Ottilien aus der nördlich des 38. Breitengrades liegenden Abtei Tokwon erschien.

1911/1912 bereiste Weber von Amts wegen Korea und hielt seine Eindrücke in dem bewusst als Tagebuch publizierten Buch „Im Lande der Morgenstille“ fest.

Die subjektive Form des Tagebuches ermöglichte es dem rhetorisch geschickten bzw. mediengewandten Weber, Unmittelbarkeit und Neugier beim Leser zu erwecken. Schon die Gestaltung der Titelseite verbindet gezielt Spannung und  Neugier durch die Titelwahl

„Im  Lande der Morgenstille“, ergänzt durch sichtbare Hinweise auf Seriosität und Erhabenheit  (Missionsverlag, Erzabt als Autor, Wappen des Ordens ) bzw. Belege des Authentischen  (Farbtafeln, Fotos – aufgenommen vom Autor)  prägen das Buch.

In seinem Vorwort legt der Missionar nochmals seine Beweggründe für die Publikation des Buches dar: „Drängende Sorge um unsere junge Missionsarbeit in Korea hatte mich zu Beginn des Jahres 1911 auf die hohe See getrieben... So ging`s dem äußersten Osten zu, und jeder Tag reizte zu neuen Beobachtungen. Wenn auch Ostasien nicht mehr jene verschlossene Welt ist, die sich vor dem Geiste des Westens hinter unübersteigbare Mauern flüchtet und diese mit Todesedikten besetzt, so liegt doch immer noch eine ganze Welt zwischen der Kultur Europas und Asiens.“

Adressat von Weber ist an erster Stelle das Lesepublikum in Europa. Die Sorge um die Missionsarbeit – also ein Eigenanliegen – treiben ihn zur Reise. Der Blick auf das Fremde von Außen – bestimmt den Tenor des Vorwortes.

Neben wichtigen faktischen Informationen zu Land und Leuten und zur politischen Situation in Korea/ Ostasien (u.a. Rolle Japans als künftige Kolonialmacht) werden insbesondere die Befürchtungen des Ethnologen Weber artikuliert: Er geht davon aus, dass die Japanisierung und .Industrialisierung bzw. die damit verbundene Technisierung unausweichlich den Untergang der alten Kultur Koreas einläuten werde.

 Das ist für ihn Anlass, den Stift in die Hand zu nehmen, auf Bildplatten das Alltagsleben zu konservieren bzw. ein wertvolles und einzigartiges Filmdokument  über die Traditionen und Bräuche von Chosun zu schaffen.

Die Entstehung dieser wertvollen ethnologischen Zeugnisse verdeutlicht somit auf seine spezifische Weise die Verquickung von wissenschaftlichen Interessen, Zeitgeschichte und einem damit verbundenen Heilsgedanken. Auch die Schwere der Missionsarbeit in einem unerschlossenem Land wird nicht verschwiegen. Das belegen u.a. die eingangs gezeigten Filmdokumente. Sie präsentieren neben Alltag und Kultur auch Missionsschulen, Berufsausbildung; Missionierung – also die  Erziehung von Kindern und Erwachsenen zum christlichen Glauben. 

Doch trotz dieser „Konstruktion des Fremden“ überwiegen eindeutig für den heutigen Betrachter die positiven Zeichen. Erstmals tritt mit dem Schmalfilm von Weber die Bedeutung des Mediums Film  in den Korea-Diskurs ein. Damit hat sich Norbert Weber als feinsinniger Beobachter und vor allem leidenschaftlicher Ethnologe bleibende Verdienste erworben - denn seine Filme dokumentieren Szenen aus dem täglichen Leben der Koreaner in den frühen zwanziger Jahren (u.a. Hochzeit, Totenfeiern, Töpferei und andere alten Gewerbe), die nie zuvor eine Kamera festhielt. Dieser Teil des Filmmaterials bleibt ein wichtiger kulturhistorischer Beleg für das Selbstverständnis des koreanischen Volkes und verdeutlicht das traditionsreiche Miteinander von Deutschen und Koreanern über nicht einfache historische Phasen hinweg. Hier gilt es anzusetzen.

Norbert Weber selbst sah sich übrigens 1930 gezwungen, aufgrund finanzieller Schwierigkeiten, in die die Abtei unter seiner Leitung geraten war, sein Amt niederzulegen. 

1931 reiste er nach Ostafrika, wo er seine verbleibenden Lebensjahre als Missionar verbringen sollte. Er starb am 3.4.1956 in Tansania.

2.  Deutsch-koreanische Kulturbeziehungen:  Gegenwärtiger Stand/ Aktuelles  -  unter besonderer Beachtung der Situation in den neuen Bundesländern  

Internationalität und Weltoffenheit im Sinne von Max Weber entstehen nicht im Selbstlauf.  

Noch immer wird Korea nur sporadisch in dem Medien wahrgenommen über Themen wie Teilung, Atomstreit, Wirtschaft, Autos oder den Schlagzeilen machenden koreanischen Schiffbau.  Mediale Großereignisse wie die Fußballweltmeisterschaft  konnten nur punktuell das Interesse weiten. Zudem sind die Verlage Pendragon (Bielefeld)  und Peperkorn, (Thunum), die neben secolo und Abera  vorrangig koreanische Literatur in Übersetzung publizieren, kaum nachhaltig in den Medien bzw. im Buchvertrieb präsent. Noch scheinen in Deutschland koreanische Autos bekannter als koreanische Autoren zu sein.

All das legt eine kontinuierliche und konzeptionell durchdachte  Öffentlichkeitswirksamkeit  nahe, die das Niveau wie die thematische Breite in der Auseinandersetzung mit wichtigen Fragen und Aufgaben des 21. Jahrhunderts in Bezug auf Korea in Austausch von Eigen – und Fremdkultur befördert.

Ein auf Wissen basierender vielseitiger und auf verschiedene Zielgruppen/ Interessen orientierter analytischer Ansatz vermag m.E. langfristig die bestehenden  Wahrnehmungs- und Kommunikationsdefizite abzubauen , die u.U. die Basis für politische oder kulturelle Vorurteile, Klischees bilden.

In Bezug auf Korea  hat sich zudem eine offensichtliche Schere zwischen Information durch die Medien, konkreten Wissensstand  und Engagement der Wirtschaft in dieser Weltregion herausgebildet.

Besonders in den neuen Bundesländern mangelt es in der Bevölkerung an konkreten Vorstellungen über (beide) Koreas. Zudem waren bisher wenig Möglichkeiten der persönlichen Begegnung bzw. des Austausches gegeben. Nordkorea war bereits seit den 60er Jahren weit vom Alltag der Bürger im Osten Deutschlands entfernt. Persönliche Kontakte waren von nordkoreanischer Seite unerwünscht. Andererseits ist zu bedenken, dass  Nordkoreaner, die heute in ihrem Lande verschiedenste Positionen bekleiden, in der ehemaligen DDR studierten  Diese Verbindung zu Sprache, Region und Kultur ist auch als Potential bei der Lösung zukünftiger Aufgaben zu sehen.

Nach der Wende entwickelten sich Austauschbeziehungen erst allmählich (insbesondere) über Wirtschaftskontakte zum Süden des Landes. Bisher studieren oder leben z.B. nur relativ wenige Koreaner im Osten Deutschlands (in Erfurt sind es z.B. zur Zeit 3, in Jena 13 Südkoreaner plus 1 Student aus Nordkorea).

In diesem Sinne ist es wichtig, vertrauensbildende Maßnahmen über längerfristige Projekte, Zusammenarbeit und Austauschprogramme zu installieren, die sich nicht als Einbahnstraße begreifen. So besteht die Chance, über diese dialogorientierte und  gleichrangige Zusammenarbeit (Projekte, Kulturfeste, Sommerakademien etc.) bzw. den Studenten- und Wissenschaftleraustausch (in Richtung Ost wie West)  auf hohem Niveau zur Beförderung interkultureller Sichtweisen und Einsichten öffentlichkeitswirksam für die Region auszubauen. 

Ich verweise in diesem Zusammenhang schon einmal auf  den 3. Punkt „Zukunft“ meiner Ausführungen - nämlich den Vorschlag, ein „Interdisziplinäres Zentrum für ostasiatische und

europäische Kultur- und Sozialgeschichte“ an der Universität Erfurt – als einen Turbo für die zukünftige Gestaltung des Kulturaustausches im Osten Deutschlands zu schaffen.

Das Zentrum könnte ein ergänzendes und praxisorientiertes (Bildungs)Angebot für verschiedenste Interessentenkreise auch im Umfeld (Stadt, Unternehmen, Bildungsträger etc.) darstellen – einschließlich einer aus den Erfordernissen erwachsenden kulturübergreifenden Ausbildung zukünftiger Lehrer. 

Wie also beginnen:

Darüber haben wir uns in Erfurt gemeinsam mit koreanischen Freunden Gedanken gemacht.

Daraus erwuchs wiederum ein  konkretes Projekt, das ich jetzt vorstellen möchte. Wie Sie wissen, liegen inzwischen eine ganze Reihe von Werken koreanischer Autoren in deutscher Übersetzung vor. Jedoch fehlt es oft an der Beachtung dieser Werke in der (medialen) Öffentlichkeit.

Die Idee, den renommierten Schriftsteller LEE Hochol, der selbst aus Wonsan in Nordkorea stammt und u.a. den ehemaligen Präsidenten Kim Dae-Jung nach Nordkorea im Jahre 2000 zum Gipfeltreffen begleitet, einzuladen, erwies sich als erfolgreich.

LEE Hochol , der selbst schon vor  einigen Jahren den Wunsch geäußert hatte, einmal den Osten Deutschlands zu besuchen, sagte zu. 

 Wie erwartet bot die Teilungsproblematik, die LEE Hochol in seinem 1996 erschienenen Roman „Menschen aus dem Norden, Menschen aus dem Süden“ auf neue Art – jenseits eingefahrener ideologischer Prämissen und Klischees gestaltete - einen günstigen Ansatz für dialogische Strukturen und daraus erwachsende verschiedene Projekte im Osten Deutschlands. Die Affinität zu dieser Thematik ist im Osten Deutschlands also nicht zu unterschätzen und sollte für Annäherungsprozesse genutzt werden.

Einem großzügigen Sponsoring des LTI in Seoul ist es übrigens zu danken, dass die damit verbundene Idee – dieses Thema als primäre Begegnungsbasis zu nutzen -  umgesetzt werden konnte. Rückblickend kann ich sagen: Die erste Lesereise eines südkoreanischen Autors im Bundesland Thüringen  vom 26.6. bis 2.7. 2004 mit dieser Thematik (Teilung, Diktatur(en)) war eindeutig ein  Erfolg.

LEE Hochol (aufgewachsen in Nordkorea) stellte im Osten Deutschlands  (Erfurt, Jena, Leipzig) sein Buch „Menschen aus dem Norden, Menschen aus dem Süden“ (1996/ dt. 2002) vor verschiedenen  Zielgruppen (Universitätslesung, offene Veranstaltung, junge Buchhändler etc.) zur Diskussion und suchte und fand vor dem Hintergrund der eigenen Biographie den Austausch mit seinem  Publikum.

(Videoausschnitt von der Erfurter Lesung am 28.6.2004 mit LEE Hochol )

An der gemeinsam von Universität Erfurt und Buch Habel organisierten Lesung in repräsentativer  Innenstadtlage nahmen ca. 95 Besucher teil – übrigens ein Rekord in der bisherigen Geschichte der Universitätslesungen, der auch belegt, dass eine gute Analyse der Ausgangssituation und eine auf dieser Basis agierende Vorbereitung/ Ausrichtung der Veranstaltung sehr wichtig für das Ergebnis und den nachhaltigen Effekt eines Projekts sind.  

In Jena konnte das renommierte Collegium Europaeum Jenense der Friedrich -Schiller -Universität Jena in Zusammenarbeit mit der Abbe-Bücherei für die Ausrichtung der Lesung im traditionsreichen Schiller-Gartenhaus gewonnen werden. Die Überreichung der Schiller-Medaille der FSU an den koreanischen Autor war eine Würdigung, die von koreanischer Seite besondere Beachtung fand. 

Vorbereitet wurden die Lesungen und Diskussionen durch eine gezielte PR-Arbeit (Buchverkauf, Zeitungsartikel, Interview mit mdr, Poster und Kurzinfos in Universität und verschiedenen Kultureinrichtungen plus Erfurt-Information; einführende Diskussion mit Studenten an der UE etc.).

In die Vorbereitung wurden also bewusst verschiedene Träger (Stadt/ Freistaat, Universität, Buchhandel, Bibliotheken, Vereine) einbezogen.

Die Veranstaltungen mit LEE Hochol  präsentierten sich in diesem Kontext  auch als Vorbereitung auf die Buchmesse 2005 bzw. das Korea-Jahr des Asien-Pazifik-Forums.

Der gelungene und breitenwirksame Auftakt für das Korea-Jahr 2005  im Osten Deutschlands ist natürlich als Basis zur Weiterführung eines offenen Kulturdialogs über Grenzen und Klischees hinweg gedacht.

Deshalb wurde das Thema auch mit einem Blickwechsel aus koreanischer und deutscher Sicht eingeführt: Der renommierte Literaturwissenschaftler Prof. AHN Sam-Huan von der SNU in Seoul und Dr. Sylvia Bräsel von der Universität Erfurt führten aus ihrer jeweiligen Erfahrungswelt bzw. kulturellen und historischen Sicht in die Problematik Krieg – Teilung – Diktatur ein. Damit wurde Fremdkulturelles zudem unter einem eigenkulturellen Aspekt rezipierbar.  So titelte z.B. eine führende Thüringer Zeitung in Ankündigung der Lesung:

„Der geteilte Himmel – über Korea“.

Letztlich möchte ich noch betonen, dass für das Gesamtanliegen von Wertigkeit war,  dass Herr LEE Hochol  in der Thüringer Staatskanzlei vom Abteilungsleiter für Internationale Beziehungen und im Ministerium für Wissenschaft und Kunst vom Abteilungsleiter Kunst zu Gesprächen empfangen wurde.

Nun hoffen wir auf Zukünftiges ...

3. Deutsch – koreanische Kulturbeziehungen: Zukunft  - ODER  Vorschläge zur Diskussion 

Das Koreajahr 2005 bietet die Möglichkeit, die bisherigen Aktivitäten analytisch auszuwerten und nach den neuen Anforderungen im Zeitalter globalen Prozesse zu bündeln

Hier sollte ein Netzwerk geschaffen werden im Zusammenwirken von deutscher und koreanischer Seite in Deutschland wie Korea,  dass flexibel auf  Situationen reagieren und eine weitreichende Zukunftsorientierung über Schwerpunktbildungen anstrebt.

Eine solider Informationsaustausch sollte zudem Teil dieses Netzwerkes sein, in welchem viele Träger (politische Stiftungen, Kulturinstitutionen, Universitäten, Vereine, Buchmesse, Botschaft etc.) ihren Platz finden.

Ziel sollte es sein, Korea (wie Deutschland)  in seiner Vielschichtigkeit in Geschichte  und Gegenwart präsent werden zu lassen. Dabei ist der Tatsache Rechnung zu tragen, dass man die Fremdkultur auch aus der Sicht der Eigenkultur wahrnimmt. Das befördert gut umgesetzt dialogische Projekte, die beiden Kulturen zum Selbstverständnis dienen.

Ich verweise hier  auf meine 2005 zur Buchmesse vorliegende Neuherausgabe von einer der ersten Reisebeschreibungen über Korea von Siegfried Genthe.  Genau 100 Jahren nach seiner Erstpublikation soll das Werk (mit den bisher als verschollen angenommen Fotos des Autors) im iudicium-Verlag  München -  als Mittel der Bewusstmachung dieser  Prozesse – erscheinen.

Gleichzeitig möchte ich für die Erschließung neuer Bereiche wie Pop-Musik,  Kinder- und Jugendliteratur, Film, bis hin zur Unterhaltungsliteratur oder dem Thema Gesundheit in der Öffentlichkeitsarbeit plädieren.

Überhaupt eine stärkere Begegnung der Menschen aus Korea und Deutschland über dialogische Projekte – z.B. im Theaterbereich, in der Jugendarbeit, die dazu beitragen gemeinsame Menschheitsmuster (Macht, Liebe, Glück, Angst etc.) jenseits von eingefahrenen Klischees und Exotik zu erschließen, halte ich für sehr bedenkenswert.

Der Lebensalltag der Südkoreaner, ihre Probleme in einer modernen Industriegesellschaft etc.  könnten neben der Geschichte eine wichtige „Brücke“ der Verständigung wie eines möglichen. Verständnisses darstellen. In diesem Sinne ist u.a. ein Theaterprojekt mit einem Gegenwartsstück des Erfolgsdramatikers LEE Kang-Baek in Berlin und Frankfurt/Main 2005 (und Seoul) in der Diskussionsphase.

Konkret für die neuen Bundesländer – sprich Thüringen – möchte ich nochmals zur Lösung dieser komplexen Aufgaben die  Etablierung eines „Interdisziplinären Zentrum für ostasiatische und europäische Kultur- und Sozialgeschichte“  zur Bündelung diesbezüglicher Potentiale an der Universität Erfurt mit Blick auf kommende komplexe Anforderungen in Wissenschaft, Lehre, Kultur bzw. zur Umsetzung eines zukunftsorientierten Bildungskonzepts anregen.

Das Zentrum könnte den verschiedenen bestehenden  Bereichen der Universität (von Geschichtswissenschaft, regionalen Ostasienstudien, (vergleichenden)Literatur, - Sprach- und Kulturwissenschaften, einer stärker auf Ostasien bezogenen Medien- und Kommunikationswissenschaft bis hin zu Wirtschaftswissenschaften, Staatswissenschaft etc.) die Möglichkeit bieten, eine vernetzte Forschung zu betreiben (über die Einzelwissenschaft hinaus), die in eine forschungsgeleitete Lehre einmünden könnte, die wiederum einen gesamtgesellschaftlichen Diskurs (Öffentlichkeitswirksamkeit über Veranstaltungen, Projekte)  in der Auseinandersetzung mit wichtigen Fragen und Aufgaben des 21. Jahrhunderts in Bezug auf Ostasien befördert.

 Eine entsprechende Publikationstätigkeit und Öffentlichkeitsarbeit (bis hin zu Online-Zeitschriften) könnte die Entwicklung praxisorientiert begeleiten.

Es sollte also eine nach theoretischen, methodischen und thematischen Gesichtspunkten

fachübergreifend angelegte Arbeit angestrebt werden, die  Synergieeffekte (bis in andere Bereiche wie Wirtschaft etc.hinein) erzeugt. Das wiederum lässt eine wechselseitige Beeinflussung und Innovierung erwarten, die von nationalem und internationalem Interesse sind - und damit den Grundgedanken demonstrieren, d.h. die  kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Beziehungen und die Verständigung zwischen Ost und West zu befördern.