Korea Hintergrund

 

Gruppenreise der Deutsch – Koreanischen Gesellschaft nach Südkorea 30.9. – 10.10.2004

von Dr. Michael G. Willems

In erfolgreicher Tradition der bisherigen Reisen fand im Herbst 2004 wieder eine Reise nach Südkorea statt. Dank umfänglicher Vorbereitungen von Heinz-Willy Brunnen und Moon-Sam LEE (beide Bonn) traf man sich in Frankfurt zur Abreise. Nach angenehmem Flug wurden wir in Korea am neuen In`chon Flughafen von der örtlichen Reiseleitung in Person von Frau Jung-Ja JANG erwartet und „Willkommen“ geheißen. Inzwischen hatten die ersten Teilnehmer festgestellt, dass auch Triband Mobiltelefone nicht funktionieren. Kein Problem, Geräte kann man am Flughafen mieten. Dann per Bus schnell über die Autobahn ins Zentrum von Seoul, wir wohnten im Tower Hotel nahe dem Namsan Turm, ruhig, aber zentral und – das sei schon verraten - das Frühstück war ausgezeichnet: wahlweise koreanisch (Hanguk Sicksa) oder auch „American breakfast“ mit kontinentaleuropäischer Erweiterung, die Feinschmecker der Gruppe kamen auf ihre Kosten.


 Gruppenmitglieder vor der Fahrt zum KID

Angekommen, Koffer ins Zimmer, 15 Minuten frisch machen, dann wartete bereits der Bus vor der Tür: Fahrt zum „Korean Industrial Development Institute“ (KID) in Pangbae. Dessen Leiter, Herr Professor Young-Hoon PAIK, begrüßte uns auf das Herzlichste. Denjenigen unter den geneigten Lesern, die sich in der Geschichte der deutsch – koreanischen Beziehungen ein wenig auskennen, wird der Name untrennbar verknüpft sein mit der Vereinbarung zu der Tätigkeit der koreanischen Bergleute und Krankenschwestern, die 1969 – 1975 zu Tausenden zu uns nach Deutschland kamen um den Pflegenotstand beheben zu helfen und die Arbeitskräftesituation im Bergbau zu entspannen.


Prof. Young-Hoon PAIK

Auch dafür erhielt er als einziger Asiat bisher das „Große Verdienstkreuz am Bande“ der Bundesrepublik.  Die von Professor PAIK sehr emotional und bewegend geschilderten persönlichen Erlebnisse in der Bundesrepublik waren auch vielen der Reiseteilnehmer so nicht bekannt und keine Frage, wir waren von den Schilderungen des Ringens um eine Lösung für das koreanische Problem des Geldmangels im Herzen getroffen. Nachdenklich machte alle der mit offenem Herzen erklärte Dank PAIKs an die Gruppe für die seinerzeitige deutsche Hilfe; waren wir als Individuen doch gar nicht beteiligt.

Nach der Besichtigung des Instituts und besonders auch der Photos, die PAIK mit allen Bundeskanzlern und Präsidenten seit 1965 zeigen, waren wir seine Gäste beim Abendessen in einem Koreanischen Restaurant. Essen im Sitzen, Sochu (20% Reisgetränk) und Makkeli (angegorenes Reisgetränk) trinken, das will gelernt sein, der allgemeine Geschmack war getroffen, wir lernten uns untereinander kennen. Es dauerte keine Stunde und die ersten Lieder wurden gesungen. Plötzlich stand am Nachbartisch der Präsident der Vereinigung koreanischer Geschäftsleute auf und richtete eine liebenswürdige Grußadresse an die inzwischen recht lustige Gesellschaft.

Am Folgetag begann die Rundreise so richtig. Über die Autobahn A1 ging es an der Westküste entlang über P´yongt´aek  zur Soehan Brücke, mit über 7 km Länge die 9-längste Brücke der Erde, weiter dann nach Puan. Hier wurden wir vom Bürgermeister, Herrn  ... empfangen. Mit Recht war er stolz auf das größte Entwicklungsprojekt der Region, das Saemaulgum Projekt („neues Land“). Hier steht ein Stauprojekt, mit 36 km Länge das größte der Welt, zur Neulandgewinnung für die Landwirtschaft vor der Vollendung. Ab 2016 soll der erste Reis von hier verkauft werden. Der Bürgermeister zeigte auch ein deutliches Interesse an einer Partnerschaft zwischen seiner und einer deutschen Gemeinde, vielleicht anfänglich als Schulpartnerschaft.

Freundlicherweise lud er im Namen der Gemeinde die ganze Gruppe zum Essen ein, die erste – aber nicht die letzte – Gelegenheit sich der Spezialität „Roher Fisch“ zu widmen. Aber die Beilagen, die zu jeder Mahlzeit gehören, waren „auch nicht ohne“.

Nach einer interessanten Rundfahrt über einen Teil des Deiches und einem Besuch im örtlichen Informationszentrum wurde uns die ganze Dimension dieses Dammprojektes deutlich. Unser Busfahrer verdiente sich danach als Off-Road Busfahrer erste Sporen auf der Suche nach einem befestigten Weg durch die Baugebiete. Hier entsteht eine Kopie des Königspalastes Kyongbokgung aus Seoul als Filmkulisse für die so beliebten historischen Soaps im Fernsehprogramm. Der Nachschub an Filmdrehplätzen ist also garantiert.

Weiter ging es in die Kreisstadt Chonju. Hier besuchten wir den Schrein der Lee Dynastie, das hohe Maß an Respekt gegenüber den Personen der Geschichte wurde uns klar, auch der Unterschied zur Bundesrepublik, wo alles Vergangene als Folge der 68er Bewegung so schnell abgehakt wird. Der Museumswärter öffnete die bereits geschlossene Anlage für unsere Gruppe, da wir ja „von so weit her“ kamen. Im örtlichen Kunsthandwerkzentrum (nebenstehendes Photo) schauten wir uns auch als letzte Besucher um.  (Fortsetzung folgt).